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Die Geschichte von Hammersbach

Hammersbach entstand 1970 im Rahmen der hessischen Gebietsreform durch den Zusammenschluss der Dörfer Marköbel mit Hirzbach und der Staatsdomäne Baiersröderhof aus dem Altkreis Hanau und Langen-Bergheim (bis 1820 Bergheim) aus dem Altkreis Büdingen.
Pate für den neuen Namen ist der in der Gemarkung Langen-Bergheim entspringende Hammersbach, der in Marköbel in den Krebsbach mündet.

 

Archäologische Funde

Archäologische Funde im Gemeindegebiet von der Jungsteinzeit über die Hallstattzeit bis zur keltischen Latenezeit (ca. 5000 bis 50 Jahre vor Chr.) weisen auf eine frühe Besiedelung. Der Fundort des keltischen Fürstengrabes auf dem Glauberg liegt nur 10 km nördlich der Gemeinde.
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Die "Hohe Strasse"

Die Hohe Strasse, eine wohl Jahrtausende alte Fernverbindung aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Thüringen-Sachsen, verläuft durch Marköbel und zieht östlich von Langen-Bergheim als Reffenstrasse und später als Antsanvia durch den Vogelsberg weiter. Bereits die Römer nutzten die Strasse für den Transport der jenseits des Limes in Büdingen gebrochenen Sandsteine für den Bau des Kastells. Um das Jahr 900 sollen Händler aus Kiew auf dieser Strasse nach Frankfurt gereist sein. Die Hohe Strasse diente als Händler- und Truppenstrasse bis zum Ausbau der Kinzigtalstrasse Mitte des 18. Jahrhunderts. Ein Chronist des 19. Jahrhunderts schreibt wehmütig: "In den vierziger Jahren unseres Jahrhunderts gaben noch die großen verlassenen Wirtshäuser in Marköbel Zeugnis von dem früher lebhaften Verkehr." Ein ausgeprägter Hohlweg in Marköbel ist noch heute Zeuge der historischen Straßenverbindung.
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Römerkastell

Bei der Eroberung der Wetterau 80 -100 n. Chr. sperrten die Römer die Hohe Strasse am Krebsbachübergang durch den Limes und bauten in Marköbel ein Kastell von der Größe der Saalburg. Der Kastellgrundriss ist im heutigen Straßenverlauf (Haupt- und Nordstrasse) noch deutlich zu erkennen. Die letzten Grabungen 1983 haben Mauer und Graben im Westteil noch einmal bestätigt.
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Der Limes

Der Wall des Limes ist im Langen-Bergheimer Unterwald noch gut zu sehen. Eine Jahrhunderte alte Eiche, genannt Drusus-Eiche, hält die Erinnerung an die Römerzeit wach. In der Feldflur erinnert der Limesstein heute noch an den früheren Verlauf der römischen Grenzsicherung, dessen Reste in der offenen Feldflur in Richtung Weinberg (Mühlberg) dort bei der Flurbereinigung 1910 beseitigt wurden.
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Die ersten Urkunden

Die urkundliche Ersterwähnungen sind rein zufällig in Besitznachweisen oder Verkäufen zu finden. Sie sagen nichts über das wahre Alter der Siedlungen aus. So dürfte Langen-Bergheim mit dem benachbarten Eckartshausen im Rahmen der fränkischen Landnahme von Marköbel aus gegründet worden sein.


Urkundlich werden erstmals erwähnt:

Marköbel als "cavilla" im Jahr 839

Langen-Bergheim als "bercheim" 1057

Hirzbach als "hirzbach" 1128 und

Baiersröderhof als "allodium rode" 1139


Urkunden und Siedlungsgeschichte lassen erkennen, dass die beiden Dörfer bis zum 13.Jahrhundert eng verbunden waren. Nach dem Aussterben der "Münzenberger Herrschaft" 1255 kam Marköbel in den Besitz der späteren Grafen von Hanau. Langen-Bergheim ging in die Herrschaft Isenburg-Büdingen ein. Für die Jahrhunderte danach bestand zwischen beiden Dörfern eine durch die unterschiedlichen Territorialherren geschaffene Grenze. Bereits 1442 konnte ein Streit um die Zahlung von Wegegeld durch Bergheimer Bürger nur von den Grafen Isenburg und Hanau geklärt werden.
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Marktrecht

Es ist anzunehmen. dass bereits in römischer Zeit in Marköbel eine Händlersiedlung am Limesdurchlass (Tor) im Zuge der Hohen Strasse bestand und regelmäßig Warenaustausch (Märkte) stattfand. Die Bedeutung des Marköbler Marktes erschließt sich aus späteren Urkunden. Der Markt bestand bis 1220 in Marköbel und wurde dann von Kaiser Friedrich II. nach Gelnhausen verlegt. Dort hieß er noch im 14.Jahrhundert "Köbeler Mess".

Der Markt in Marköbel war zugleich Zinstermin in der südlichen Wetterau.
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Eigene Blutgerichtsbarkeit

Parallel zur Bedeutung des mittelalterlichen Marktes war der Ort zugleich Sitz eines gerichtlichen Oberhofes mit eigener Blutgerichtsbarkeit. Das Schwert im Marköbeler Wappen erinnert an diese Zeit, aus der zwei Todesurteile überliefert sind.
Langen-Bergheim musste seine Funktion als Gericht 1489 an Eckartshausen abtreten.
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Mit Mauer befestigt

1368 erhielt Marköbel durch kaiserliches Privileg Stadtrecht. Die Anlage von Wall, Graben und Mauer durch die Ortsbürger dürfte wohl spätestens zu dieser Zeit erfolgt sein. Marköbel war - im Gegensatz zu allen anderen Hanauer Dörfern - von Hand-, Spann- und Frondiensten für die Hanauer Befestigungen befreit, weil die Bürger ihre eigene Stadtbefestigung zu unterhalten hatten. Als ihnen die Hanauer Grafen die alten Rechte nehmen wollten, klagte Marköbel vor dem Reichskammergericht und gewann diesen Prozess nach rund hundertjährigem Streit, der durch den Dreißigjährigen Krieg unterbrochen wurde.

Die vollständige "Ringmauer" mit den beiden Zugängen Ober- und Untertor war bis zur Flurbereinigung 1905 fast vollständige erhalten. Danach wurden neue Zugänge geschaffen und die Ringmauer den Anwohnern übergeben. Heute sind noch das Untertor, der Oberturm und ein Teil der Mauer erhalten.
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Dreißigjähriger Krieg

Im Dreißigjährigen Krieg wurden Marköbel, Hirzbach und der Baiersröderhof 1634/35 fast vollständig vernichtet. Die bei Nördlingen geschlagenen protestantischen Truppen brannten auf ihrem Rückzug den aus mehr als zweihundert Häusern und Scheunen bestehenden Ort Marköbel bis auf die Kirche, eine Mühle und drei Häuser vollständig nieder.
Langen-Bergheim kam etwas glimpflicher davon, doch auch hier mordeten und wüteten die Landsknechte und starben viele Einwohner an Hunger und Seuchen.
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Historisches Rathaus
Auf dem Platz des abgebrannten alten "Spilhus" in Marköbel wurde das heutige Historische Rathaus kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges 1686/87 neu aufgebaut. Das Rathaus war zugleich Gerichtssitz . Der Spruch auf dem großen Querbalken über dem Eingang mahnt die Schöffen:

"Richter richte recht, Dan Gott ist Richter, und du bist Knecht !
Wirst du richten mich, So wird Gott richten dich".
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Die Kirchen

Die heutige Marköbeler Kirche, 1741 erbaut, geht auf sehr alte Vorgängerbauten zurück. Die Errichtung über dem alten Kastellbad deutet auf eine erste Kirche bereits in der Zeit der Christianisierung hin. Die Marköbeler Pfarrer übten für ihren Pfarrbezirk im Mittelalter die Sendgerichtsbarkeit aus, die mit nur wenigen Ausnahmen dem Mainzer Bischof zustand. Das spätere Dekanat Roßdorf hatte seinen ursprünglichen Sitz ebenfalls in Marköbel.
In Langen-Bergheim wurde die neue Kirche in Nachfolge einer kleineren Kapelle gebaut und 1752 als Filial der Pfarrkirche Eckartshausen eingeweiht.

Die kirchlichen Bindungen haben sich bis heute erhalten:
Marköbel gehört zu Hessen-Kassel und Langen-Bergheim zu Hessen-Nassau.

1254 wird die Hirzbacher Kapelle erstmals erwähnt. Reinhard I. von Hanau schenkte die Kapelle zusammen mit einem Gut dem Antoniterorden. In der Reformationszeit verlor die Kapelle ihre Bedeutung und wurde im 19./20. Jahrhundert als Scheune genutzt. Heute steht sie – renoviert – allen Besuchern offen.
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Weinanbau

Der Mühlberg zwischen den beiden Ortsteilen wird heute noch die "Wingerde" genannt. Weinbau, wahrscheinlich von den Römern eingeführt, ist schon im Mittelalter bekundet. Noch 1830 wurden in Marköbel Weinberge neu angepflanzt. Mit 45 Morgen hatte Marköbel das zweitgrößte Anbaugebiet im Kreis Hanau. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Weinanbau wegen Mehltau- und Reblausbefall ganz aufgegeben. Die ehemaligen Weinanbauflächen konnten zudem landwirtschaftlich besser genutzt werden.

Der Geschmack des heimischen Weines wird als "Drei-Männer-Wein" überliefert: Einer muss trinken, einer den Trinkenden festhalten und ein dritter den Wein einflössen. Wahrscheinlich war der Apfelwein zu dieser Zeit schon "lieblicher" als der örtliche Wein geworden.
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"Hessische" Gemeinden

Mit dem Aussterben der Grafen von Hanau fiel Marköbel wie die gesamte Grafschaft Hanau 1736 an das Kurfürstentum Hessen-Kassel und 1866               an Preußen.
Bis zur Auflösung des Fürstentums Isenburg blieb Langen-Bergheim bei Büdingen und später Meerholz und kam nach dem Wiener Kongress 1816 an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Aus diesem Anlass wurde die 500 Jahre alte Grenze zwischen den beiden Orten noch einmal mit 130 Grenzsteinen markiert, die noch heute im Wald nicht zu übersehen sind.
Der Baiersröderhof gehörte bis zur Säkularisierung 1803 zum Kloster Ilbenstadt und ist seitdem Staatsdomäne. Bei den Einheimischen heißt er heute noch "Pfaffenhof".
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Dörfliche Prägung

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Leben in den Dörfern Marköbel und Langen-Bergheim durch die Landwirtschaft bestimmt. Heute arbeiten die meisten Arbeitnehmer in Hanau und Frankfurt. Durch die Nachkriegsereignisse (Flüchtlinge und Vertriebene) und die Wirtschaftsentwicklung im Ballungsraum Rhein-Main (Zuzug) hat sich die Bevölkerungszahl mehr als verdoppelt. Sie liegt in der heutigen Gemeinde Hammersbach bei rund 5.000 Einwohnern. Die dörfliche Prägung ist dabei nicht verloren gegangen.
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