Seit Januar 2000 haben wir mit großem Erfolg an zwei ADAC-Fahrsicherheitstrainings teilgenommen. Aus diesem Grund haben wir beschlossen, in regelmäßigen Abständen weitere Kurse zu belegen. Dies hat im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen ist der Lerneffekt (Man(n) [Frau auch] könnte es auch AHA-Effekt nennen) zu berücksichtigen, zum anderen ist der große Spaßfaktor, der den ganzen Tag anhält.

Als erstes Fahrsicherheitstraining haben wir einen Grundkurs auf dem ADAC-Gelände in Gründau absolviert. Gründau besitzt den größten Übungsplatz, über den der ADAC Hessen-Thüringen verfügt. Bei einem Fahrsicherheitstraining lernt man unter Anleitung erfahrener Instruktoren, wie man mögliche Gefahren rechtzeitig erkennen kann, um somit Risiken im Straßenverkehr zu vermeiden. Mit den erlernten Fahrtechniken ist man in der Lage, Risiken schneller zu erkennen und diese dann auch zu meistern bzw. mit dem erlernten Wissen zu entschärfen. Die meisten Übungen bei einem Fahrsicherheitstraining werden auf einer allseits gefürchteten Gleitfläche absolviert, die es auch im Sommer möglich macht, die Gefahren des Winters - insbesondere die glatten Straßen - zu simulieren. 

Kommen wir nun zu unserem Programm: 

Vor jeder Übung gab es erst einmal eine "Kampfbesprechung" in der Gruppe

Angefangen hat alles eigentlich ganz einfach (dachten wir zumindest). Ziel war es, das Auto auf 40 km/h zu beschleunigen und an einem festen Punkt "einfach" (!) eine Vollbremsung zu machen. Gesagt, getan. An der Markierung angekommen machten wir eine Vollbremsung. Natürlich war es kein Wunder, dass sich das ABS bemerkbar macht und das Auto wie erwartet relativ schnell zum stehen kam. In positiver Erwartung öffnete man das Fenster, um von dem Fahrlehrer zu hören, dass man alles richtig gemacht hatte. Jedoch weit gefehlt ! Zwar musste auch der Fahrlehrer zugeben, dass das Auto ordentlich zum Stehen gekommen war und dass auch das ABS angesprungen sei. Man wurde aber sehr drastisch darüber aufgeklärt, dass das Auto eigentlich noch viel mehr kann. Enttäuscht startete man den nächsten Durchgang. Und siehe da, der Bremsweg wurde durch einen  kräftigeren Druck auf das Bremspedal noch kürzer. In einem 3. Durchgang wurden wir aufgefordert, unsere Sitze einzustellen, wie es uns damals in der Fahrschule gezeigt wurde- sehr unbequem ! Das Ergebnis war jedoch verblüffend, denn der Bremsweg wurde aufgrund der veränderten Sitzeinstellungen ein weiteres mal erheblich verkürzt. Durch einen pfeifenden Ton des ABS merkte man nun, dass das ABS an seiner Leistungsgrenze angekommen war und somit doch ein großer Unterschied zwischen einer Bremsung mit ABS und einer Vollbremsung besteht. 

Nach dieser erfolgreich absolvierten Übung begaben wir uns auf die Gleitfläche, um dort eine Zielbremsung auf glatter Straße zu simulieren. Die Geschwindigkeit sollten wir selbst wählen, um bei einer Vollbremsung auf glatter Straße den Bremsweg einschätzen zu können und so noch rechtzeitig vor dem Hindernis zum Stehen zu kommen. Hier gab es im Ergebnis die Note ungenügend für alle zehn Teilnehmer, da alle über das Ziel hinausgefahren (besser gesagt gerutscht) sind. Die Anfangsgeschwindigkeit wurde während der weiteren Durchgänge immer geringer. Bei der nächsten Übung ging es darum, eine Vollbremsung auf unterschiedlichen Straßenverhältnissen (halb Gleitfläche - halb griffiger Asphalt) durchzuführen. Entgegen unserer Erwartung leistet hier das ABS volle Arbeit und hielt das Auto gerade in der Spur. Lediglich bei einem Fahrzeug ohne ABS begann das Auto auszubrechen.

Hier eine Bilderserie eines Autos ohne ABS bei einer Vollbremsung auf unterschiedlichen Straßenverhältnissen

In der nächsten Übung mussten wir das Auto durch eine versetzte Kegelreihe fahren. Im ersten Durchgang wurde das Hindernis mit 40 km/h erfolgreich umfahren (mit schnellen hektischen Hand- und Rutschbewegungen). Beim nächsten Durchgang ging es darum, die gleiche Strecke mit 35 km/h zu durchfahren und dabei beim ersten Kegel voll zu bremsen. Das Auto kam wie erhofft in der Mitte zum Stehen. In einem letzten Durchgang erhöhten wir die Geschwindigkeit um 5 km/h auf 40 km/h. Unsere Erwartung war, dass das Auto lediglich etwas weiter auf der Strecke zum Stehen kommen würde. Jedoch auch hier wieder weit gefehlt. Nach Einlenken hinter dem ersten Hindernis (mit voll gedrückter Bremse) folgte das Auto nicht mehr der geplanten Fahrtrichtung, sondern rutschte eher geradeaus und somit voll ins Hindernis --> Alle neune ! Zum Glück waren es hier nur Leitkegel und kein Kind, dem man hätte ausweichen müssen. Bei dieser Übung wurde einem bewußt, was 5 km/h z.B. in einer Ortschaft ausmachen können!

Die nächste Übung bestand darin, mit hoher Geschwindigkeit (50 km/h und 60 km/h) und einer Vollbremsung in eine scharfe einsehbare Kurve zu fahren. Dabei sollten wir unsere Blickrichtung immer auf den Kurvenausgang richten. Dies glückte auch wunderbar bei dem Durchgang mit 50 km/h. Bei dem schnelleren Durchgang sah das ganze leider nicht mehr so gut aus. Beim Ansetzen zur Vollbremsung reagierte das Auto nicht sofort auf die eingeschlagene Lenkrichtung, sondern rutschte ein kleines bisschen geradeaus. In der Schrecksekunde wandte man seinen Blick in den Mittelpunkt der Kurve. Dies war jedoch ein großer Fehler, da das Auto immer weiter aus der Kurve getragen wurde und letztlich auch in die Leitreihe fuhr. Hierzu ein alltägliches Beispiel: Sie fahren auf der Autobahn und entdecken ein Schlagloch in der Fahrbahn. Dabei wird in der Regel das Schlagloch anvisiert (was ein großer Fehler ist), um dieses umfahren zu können. Jedoch wird zu 99,9% dann doch das Schlagloch getroffen. Deshalb sollte man beachten: Blickrichtung = Fahrrichtung.

Hier eine Bilderserie eines Autos mit ABS bei einer Vollbremsung in eine scharfe einsehbare Kurve

Dies zur Kenntnis genommen, widmeten wir uns dem allseits bekannten Elch-Test. Diese Übung war der Höhepunkt des Tages und wir meisterten ihn in mehreren Durchgängen bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h. Hierbei durften wir uns die Richtung, in die wir ausweichen konnten, selbst aussuchen. In einem letzten Durchgang wurde uns die Ausweichrichtung durch Handzeichen in letzter Sekunde mitgeteilt. Hierbei schafften wir es gerade noch so, ohne einen Leitkegel mitzunehmen. Andere Teilnehmer schafften es jetzt nicht mehr. 

Leider gibt es von diesem Sicherheitstraining keine Bilder.

Kommen wir nun zum Fortbildungskurs, den wir in Heidelberg absolviert haben, da es dort eine Rüttelplatte gibt, die uns in Gründau empfohlen wurde. Hier stellt sich vielleicht die Frage, was eine Rüttelplatte ist. Mit Hilfe der Rüttelplatte ist es möglich, das Ausbrechen eines Fahrzeuges (z.B. Reifenplatzer) zu simulieren, indem das Heck beim Überfahren der Platte "weggeschnickt" wird.

Dies war auch schon die erste Übung. Stellt sich nun die Frage, was man macht, wenn das Fahrzeug am Heck ausbricht. Eigentlich ganz klar: In der Fahrschule lernt man in der Theorie "Gegenlenken". Dies wurde auch von unserem Fahrlehrer als richtig gedeutet. In guter Erwartung (man wusste ja, was man theoretisch nur machen musste) fuhren wir mit sage und schreibe 30 km/h über die Rüttelplatte. Danach ging alles sehr schnell. Man bemerkt noch das Ausbrechen des Hecks und schon war es zu spät, und man drehte sich trotz Vollbremsung und kläglichen Lenkbewegungen insgesamt fünfmal (!) um die eigene Achse - zugegeben ein sehr ungutes Gefühl, hilflos im Auto zu sitzen. In weiteren Durchgängen lernten wir, dass es in der Hauptsache wichtig ist,  schnell und heftig gegenzulenken und anschließend wieder in die andere Richtung zu lenken. Dies wollte aber nach wie vor nicht immer gelingen. Es war auf jeden Fall eine reichhaltige Erfahrung, die man der Übung entnehmen konnte. Manche Teilnehmer praktizierten hier auch die Technik des "Kampfeinparkens rückwärts".  In den folgenden Übungsdurchgängen wurde die Rüttelplatte auf eine geringere Stufe eingestellt, um das Auto "relativ!" leicht abfangen zu können. Damit auch hier noch ein gewisser Reiz vorhanden ist, wurde das ganze noch mit computergesteuerten Wasserfontainen, die Hindernisse simulierten, kombiniert. Diese Hindernisse waren besser als die Leitkegel vom Grundkurs, da so nie bekannt war, wo und ob sie als Hindernis auftauchten. Hier kam es öfter zu bösen Überraschungen (siehe Bild)

Vollbremsung - .... nur leider zu spät --> 1*6,80DM - Unterbodenwäsche !

- das Ausbrechen von der Rüttelplatte gut abgefangen

- doch nicht früh genug dem Hindernis ausgewichen oder rechtzeitig zum stehen gekommen.

- somit Note 5 (mangelhaft) 

- zusätzlich wurden 6,80DM für eine ungewollte Unterbodenwäsche fällig :-))

 

Aber das es auch anders geht sieht man bei dem folgendem Bild:

Vollbremsung - Nach abfangen eines ausbrechendem Autos (Rüttelplatte) - wie im Bilderbuch

- Hier kam das Fahrzeug rechtzeitig vor dem Hindernis zum Stehen

- Jedoch muss hier noch etwas an der Lenktechnik (wie man in der Vergrößerung besser sehen kann) beim Abfangen des ausbrechenden Autos gearbeitet werden

- Alles in allem sehr gut...

 

Eine andere Möglichkeit ist das Umfahren des Hindernisses

Ausweichen bei einem Hindernis

- erfolgreich das Hindernis umfahren

- Ausweichen ist gut, jedoch wäre bremsen besser --> langsamer fahren !

 

Ein weiteres Highlight war das Durchfahren des Aquaplaningbeckens. Wobei hier wohl eindeutig die Betonung auf Becken liegt. In dem Becken  gab es eine Wassertiefe von ca. 7-10 cm. Dieses Becken sollte man mit einer Geschwindigkeit von 70 km/h durchfahren, ohne zu bremsen und zu lenken. Das Aufschwimmen des Fahrzeuges war deutlich zu spüren. Die richtige Reaktion war das sofortige auskuppeln, da sonst das Auto ungewollt ausbrechen kann. ... Nur fliegen ist schöner !

 

Aquaplaning - mit 80km/h in ein Wasserbecken         Aquaplaning - ...nur fliegen ist schöner

Zum Schluss gab es zum Spaß noch ein Abschluss-Rennen, mit allen bis dahin erlernten Kenntnissen (Zielbremsung, Slalom, rückwärts einparken (kein Kampfeinparken), Kreisbahnfahrt und Elch-Test). Die Abnutzung der Reifen war bei manchen Teilnehmern überdeutlich zu hören. Jedoch führten diese Reifengeräusche nicht zum erhofften Sieg. Im Gegenteil. Durch geschicktes und am physikalischen Limit (ohne die physikalischen Limits zu überschreiten) durchfahren der Strecke, reichten 75PS  aus, um für Langenbergheim Platz 1 und Platz 2 zu sichern. Dies sogar vor den Autos mit mehr PS und denen, die schon öfters diesen Parcours gefahren sind. Die einheimischen Gesichter sprachen Bände. Hinzu kam noch, dass die anderen Teilnehmer alles Mitarbeiter einer Firma waren, die ein solches Sicherheitstraining regelmäßig in Heidelberg absolvieren. Somit war es für uns eine Bestätigung, erfolgreich am Sicherheitstraining teilgenommen zu haben. Jedoch wurde einem hier in Heidelberg gezeigt, dass es sehr schwer kann, sein eigenes Auto in Gefahrensituationen beherrschen zu können. Aber unser Entschluss steht fest... Wir kommen wieder !